Zwei Monate nach der zweiten IPR-Stufe

Mit dem 9. Oktober 2025 ist die zweite große Stufe der EU Instant Payment Regulation (Verordnung (EU) 2024/886) (IPR) für Eurozone-PSPs scharfgestellt: Echtzeitüberweisungen müssen seitdem nicht mehr nur empfangen, sondern auch aktiv gesendet werden können, und parallel dazu greift die Pflicht zur Verification of Payee in beiden Rollen. Das optionale SCT-Inst-Schema des EPC ist damit faktisch zum Pflichtangebot im SEPA-Raum geworden. Die erste IPR-Stufe (Empfangen und Preisdeckelung) läuft schon seit Januar 2025.

Zwei Monate nach der Oktober-Stufe ist ein guter Zeitpunkt für eine nüchterne Bestandsaufnahme: Was hat sich tatsächlich verändert? Wo hakt es? Und was kommt als Nächstes?

Was die IPR konkret verlangt

Die Verordnung greift für Eurozone-Kreditinstitute in zwei Stufen:

StufeSeitWas greift
IPR Stufe 19. Januar 2025SCT Inst empfangen (Art. 5b) und Preisdeckelung „nicht teurer als SCT” (Art. 5d)
IPR Stufe 29. Oktober 2025SCT Inst senden (Art. 5b) und Verification of Payee in beiden Rollen, Sender und Empfänger (Art. 5c)

Für Zahlungsinstitute, E-Geld-Institute und PSPs außerhalb der Eurozone gelten Sonderfristen, die alle erst 2027 greifen (zwischen Januar und Juli 2027 je nach Konstellation).

Wirtschaftlich am brisantesten ist Artikel 5d, die Preisdeckelung. Seit Januar 2025 dürfen Banken für Echtzeitüberweisungen keine Aufpreise mehr verlangen. Bisher waren ein Euro oder mehr pro Transaktion bei manchen Instituten üblich. SCT Inst muss zum gleichen Preis angeboten werden wie eine reguläre SEPA-Überweisung. Für Banken, die Instant Payments als Premium-Produkt positioniert hatten, fiel damit zum Jahresanfang 2025 eine Einnahmequelle weg.

Die technischen Anforderungen

Eine Echtzeitüberweisung muss innerhalb von zehn Sekunden beim Empfänger ankommen. Rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. Das klingt machbar, hat aber Implikationen, die weit über die reine Verarbeitungsgeschwindigkeit hinausgehen.

Verfügbarkeit

Batch-orientierte Zahlungssysteme, die nachts Wartungsfenster hatten, funktionieren für Instant nicht mehr. Die Systeme müssen durchgehend verfügbar sein. Das betrifft nicht nur die Zahlungsverarbeitung selbst, sondern auch:

  • Kontoführung und Deckungsprüfung
  • Sanctions Screening gegen die EU Consolidated Sanctions List in Echtzeit
  • Fraud Detection vor der Ausführung
  • VoP-Prüfung (ebenfalls in Echtzeit)

Jede einzelne dieser Komponenten muss 24/7 antworten können. Eine einzige Downtime in der Kette reicht, um eine Transaktion scheitern zu lassen.

Deckungsprüfung in Echtzeit

Bei Batch-Überweisungen konnte die Deckung am Ende des Geschäftstages geprüft werden. Bei Instant Payments muss die Deckung zum Zeitpunkt der Auftragserteilung stehen. Das heißt: sofortige Reservierung des Betrags, sofortige Verbuchung, sofortige Benachrichtigung. Wer asynchrone Buchungssysteme betreibt, hat ein Problem.

Sanctions Screening unter Zeitdruck

Die Pflicht zur Sanktionsprüfung gilt auch für Instant Payments. Nur dass dafür keine Stunden mehr zur Verfügung stehen, sondern Sekunden. Das Screening muss in die Echtzeit-Verarbeitungskette eingebaut werden, ohne die Zehn-Sekunden-Grenze zu reißen.

In der Praxis sehen wir hier die größten Herausforderungen. Viele Banken hatten bisher Batch-basierte Screening-Systeme, die täglich oder bei Auftragserteilung asynchron prüften. Diese Systeme auf synchrone Echtzeit-Prüfung umzubauen ist nicht trivial und erfordert teilweise neue Infrastruktur.

Wo es in der Praxis hakt

Erreichbarkeit

Die Pflicht besteht, aber die Erreichbarkeit ist noch nicht bei 100%. Einzelne Institute haben technische Schwierigkeiten mit der SCT-Inst-Verarbeitung, insbesondere bei grenzüberschreitenden Transaktionen. Das EPC berichtet zwar von steigender Adoption, aber in der Praxis gibt es noch Lücken, vor allem bei kleineren Instituten und spezialisierten Zahlungsdienstleistern.

Fehlerquoten

Echtzeitüberweisungen, die technisch scheitern (Timeout, Systemfehler, Screening-Reject), sind für den Kunden frustrierender als bei normalen Überweisungen. Bei einer Standard-SEPA-Überweisung merkt der Kunde eine Verzögerung kaum. Bei einer Echtzeitüberweisung, die nach fünf Sekunden mit einem Fehler zurückkommt, ist die Erwartungshaltung eine andere. Die Toleranz für technische Probleme sinkt, wenn „Echtzeit” draufsteht.

Integration mit VoP

Seit Oktober 2025 sind sowohl SCT Inst als auch die VoP-Empfängerseite Pflicht. Die beiden Systeme müssen nahtlos zusammenspielen: VoP-Prüfung vor der Auftragserteilung, dann Instant-Verarbeitung. In der Praxis sind das oft getrennte Systeme mit unterschiedlichen Latenzen und Verfügbarkeiten. Die Orchestrierung ist eine Herausforderung, besonders wenn das VoP-System langsamer antwortet als die Zehn-Sekunden-Grenze der Instant-Überweisung.

Was als Nächstes kommt: Adressstrukturierung im November 2026

Der nächste regulatorische Pflichttermin im Zahlungsverkehr betrifft nicht mehr Instant Payments selbst, sondern die Stammdaten, die in jede grenzüberschreitende Zahlung einfließen. Ab November 2026 verlangen die CBPR+ Usage Guidelines von SWIFT, dass Adressen in Cross-Border-Nachrichten mindestens hybrid-strukturiert vorliegen, also Land und Ort als separate ISO-20022-Felder, der Rest darf vorläufig noch Freitext sein.

Das klingt nach einer Formalie. In der Praxis bedeutet es, dass Banken Millionen von Bestandsadressen aus Freitext in strukturierte Felder konvertieren müssen, mit länderspezifischen Regeln und vielen Grenzfällen. Details dazu in unserem eigenen Artikel zur Adressstrukturierung.

Was bleibt

Instant Payments sind keine Zukunftsmusik mehr, sondern Realität im europäischen Zahlungsverkehr. Die Pflicht hat Investitionen in Echtzeit-Infrastruktur erzwungen, die viele Institute lieber aufgeschoben hätten. Gleichzeitig verändert sich dadurch die Erwartungshaltung der Kunden: Wenn Überweisungen in Sekunden ankommen können, warum sollte irgendetwas noch einen Tag dauern?

Der eigentliche Härtetest lag bereits am 9. Oktober 2025, an dem Senden, VoP-Requesting und VoP-Responding parallel scharf gestellt wurden. Die kommenden Monate werden zeigen, wie nachhaltig die Lösungen tatsächlich tragen und ob die Branche die nächste Pflicht, die Adressstrukturierung im November 2026, sauberer abarbeitet als die IPR-Stichtage zuvor.